Desiderius Erasmus war ein Mann der Literatur, ein unermüdlicher Reisender durch Europa und vor allem ein visionärer Humanist. In einer Zeit, in der die lateinische Vulgata als unfehlbar galt, wagte Erasmus es, die Genauigkeit der seit tausend Jahren gebräuchlichen Bibelübersetzungen in Frage zu stellen.

DerGelehrte

Desiderius Erasmus von Rotterdam (ca. 1466–1536) war einer der einflussreichsten Denker Nordeuropas. Als christlicher Humanist widmete er sein Leben der Wiederherstellung der klassischen Literatur und dem Studium des ursprünglichen Bibeltextes.

Seine Gelehrsamkeit und seine scharfe Feder brachten ihm den Titel "Fürst der Humanisten" ein. Er reiste durch ganz Europa – von Rotterdam über Löwen, Paris, Oxford bis Basel – und korrespondierte mit den größten Denkern seiner Zeit.

AdFontes

Sein Motto Ad Fontes (zurück zu den Quellen) fasste sein Lebenswerk zusammen. Erasmus glaubte, dass man Gott nur dann wahrhaft verstehen könne, wenn man die Texte in ihren Originalsprachen studiere. 1516 veröffentlichte er sein Novum Instrumentum omne, die erste gedruckte Ausgabe des griechischen Neuen Testaments.

"Ich möchte, dass selbst die einfachste Frau die Evangelien und die Briefe des Paulus lesen kann. Ich wünschte, sie würden in alle Sprachen übersetzt, damit sie nicht nur von Schotten und Iren, sondern auch von Türken und Sarazenen gekannt würden."

DerGriechischeText

Für die Zusammenstellung seines griechischen Textes verwendete Erasmus sechs verschiedene Handschriften, die er in Basel fand. Obwohl diese Manuskripte nicht die ältesten waren, bildeten sie eine konsistente Tradition, die später als byzantinischer Text bekannt wurde. Dieses Werk wurde zur Grundlage des berühmten Textus Receptus.